Mittwoch, 11. April 2007

Madness? THIS.IS.THINKING!

Also gut, der erste Post, der Post, mit dem ich die Revolution lostreten werde, der Post, mit dem ich diesen Blog dem ganzen deutschsprachigem Internet bekannt machen werde.

Oder so ähnlich.

Was bietet sich also besser an, als über den heiß diskutierten Film "300" zu schreiben. Im Zweifelsfall werden sich ein paar Leute über Googel hierher verirren, da Sie nach Begriffen wie

This is Sparta! Tonight we dine in Hell! Then we fight in the Shade! Freedom! Freedom is not free!

gesucht haben - von mir natürlich nicht gewollt, aber wenn Ihr schon mal da seid, dann könnt Ihr auch weiterlesen. Selbstverständlich sind auch attention whores gerne eingeladen, hauptsache der hit-counter geht ordentlich hoch.

Back to topic: Wie schon gesagt, ist der Film der heißeste Scheiß wenn es darum geht, zu diskutieren bzw. sich gegenseitig zu beschimpfen und auch ich habe, angefeuert von einem der ersten kritischen Bemerkungen zum Film meinen Senf dazugegeben.

Als dann die ersten Kommentatoren anfingen, Kritiker des Filmes als "verweichlichte Kriegsdienstverweigerer" zu beschimpfen, entschied ich mich, von der Diskussion zu entfernen.

Was ist das für ein Film, der solche Reaktionen hervorruft? Ist das eine neue Religion? Werden wir bald eine "300-Verfolgung" haben und in 200 Jahren wird das ganze dann Staatsglauben? Oder werden wir irgenwann mal sagen: Scheiße, die Iraner hatten recht? Das Problem, das dieser Film aufwirft, ist einfach, dass er ein großes Knäuel von ziemlich vielen Aspekten ist. Da ich mich nicht scheue, alle Ressourcen, die mir zur Verfügung stehen, für die Revolution des Verstandes einzusetzen, habe ich dieses Knäuel mal zum Entwirren meinem Katzenfurry vorgeworfen und mir die größten Fäden herausgepickt:


Ist doch nur 'ne Comicvorlage:

Ja klar, der Film ist ne Comicverfilmung - und jetzt? Der Film kann eine gute Umsetzung sein, kann aber auch eine Scheißumsetzung sein, ist aber für die Filmkritik nicht zwingend wichtig. Um über einen Film zu reden, braucht man erstmal nur den Film selber. Wenn man will, kann man zusätzlich darüber Reden, wie gut die Umsetzung gelungen ist - muß man aber nicht. Und bloß weil der Film einen Comic umgesetzt hat, heißt dass noch lange nicht, dass man überhaupt nicht über den Film reden kann, denn man kann alles interpretieren (siehe auch mein Manifest).

Es gab in den 40ern Comics, in denen Superhelden gegen Nazis kämpften - ein gefundenes Fressen für jeden, der dem Zeitgeist in den Comics jener Epoche mal auf der Spur gehen will. Auch B-Movies aus den 50ern sind nicht "nur" B- Movies oder meint Ihr, dass da ohne Grund die ganze Zeit brave, anständige amerikanische Kleinstädte von bösen Invasoren angegriffen werden?


So war das damals

Der Film ist so authentisch wie meine Birkenstock-Sandalen. Wer was anderes behauptet, soll mir bitte erstmal ein paar Professoren mit notariellen Gutachten bringen. Keine Quelle und kein Kritiker hat über diesen Film jemals was anderes behauptet, ist also eigentlich kein Thema, wenn da nicht ein paar Fans sagen würde: Ey, so war das damals.
Kann sein, war nicht dabei, deswegen gibts da kein Statement dazu. ABER: bloß weil die Zeit damals grausam war, muß man dass nicht als Steilvorlage zum Darstellen von Splatterszenen nutzen - man kann es aber, wenn man will. Der Umstand, dass die Zeit damals grausam war, verpflichtet zu gar nix.


Äktschn - Splatter - Blutspritz (in slowmo)

Joa, Äktschn gibt hier, aber die muß man nicht gutfinden. Liebe 300-Fans, es gibt auch Leute, die finden die Äktschn langweilig. Muß man respektieren, muß man aber nicht gutfinden.
Und bloß weil jemand die Äktschn Scheiße findet, müssen das keine baumkuschelnden Hippies sein. Es gibt genug Leute, die finden einfach die Umsetzung langweilig. Punkt. 300 Kerle mit Eightbacks machen die Szene vielleicht attraktiver, aber nicht automatisch interessanter. Take it or leave it. Diskussionen über ästhetisierte Gewalt kann man sicherlich führen, aber dafür bieten sich Filme wie Hostel besser an.


(no) Message

Hier liegt der Hund wirklich begraben:

Man kann aber einfach nicht leugnen, dass der Film einen die ganze Zeit Schlagworte wie “Freedom” oder “fighting for law&order” (o-ton der Frau von Leonidas vor dem Senat) ins Gesicht drückt, die blöderweise zusehr an heutige Zeiten erinnern. Und irgendwie gibts auch im ganzen Film kein Zeichen, dass das jemand nicht so ernst meint. Da muß ich mich doch fragen: Will der mir was andrehen? In der Werbung wimmelt es auch immer wieder von coolen Szenen und witzigen Einfällen und trotzdem wollen die dem Zuschauer nur das Produkt verkaufen.

Wenn also Leute über diesen Film nachdenken, obwohl es sich "nur" um einen action-Film handelt, dann liegt dass daran, dass der Film für manche einfach wie ein Werbeclip mit actioneinlagen rüberkommt - da möchte man dann doch wissen, was einem da so verkauft werden soll.

Die Sache ist jedoch dummerweise nicht so einfach, wie die Message in den B-Movies der 50er, deswegen werde ich diesen Knackpunkt in einem extra Beitrag in den nächsten Tagen posten. Bis dahin, stay tuned und denkt dran



Revolution Action!