Donnerstag, 12. April 2007

Our subtext will blot out the sun




Ok, erholt vom letzten Eintrag? Schön, dann kann es ja weitergehen, denn heute packe ich mal das das ziemlich böse Thema der Message von "300" an.

Selbst gute Kritiken wie bei den Fünf Freunden, differenzierte Betrachtungen und in take-it-easy-Blogs machen sich die Sache zu einfach, denn die Message ist ziemlich tricky.

Bevor jetzt mein Kommentarfeld aussieht, als hätten sich zwei Cracknutten in Schriftform um eine Straßenecke gestritten: Man kann quasi alles interpretieren. Das ist nicht herumlabern oder totreden, sondern die ziemlich wichtige Frage: Was geht denn hier ab? Man kann übrigens auch die action fett finden (sagt man heutzutage noch "fett"?) und trotzdem sich fragen, was einem da zwischen den actioneinlagen für ein Mist verzapft wird (Armageddon jemand?)


Coole Ami-Nazis, tuntige Iraner - und das alles vor 2500 Jahren!

Ok, fangen wir mal mit den basics an. Viele sagen, dass der Film die Armen Iraner beleidigt, weil alle Iraner im Film Tunten sind und das die Spartaner eigentlich die Amis sind, denn die Spartaner kämpfen ja für Freiheit und Demokratie, haben einen Präsidenten, der vom Senat kontrolliert wird und überhaupt haben die Spartaner keinen Bock, sich von alten Knackern die älter als der Papst sind mit Religion das Hirn zu verkleistern und erst recht haben die Spartaner keinen Bock auf den Gottestaat der Perser. Klingt logisch, oder? Von wegen!

Den Amis im Bible-Belt und bestimmt Busch selber wird es garantiert nicht schmecken, dass die ganzen Priester als degenerierte, aufgegeilte alte Knacker dargestellt werden und eigentlich würden es die Amis auch nicht mögen, als durchgeknallte Fanatiker angesehen zu werden, die sich im Taliban Stil vor den bösen Agressoren im Gebirge verstecken. Somit sind die ganzen Kritiker einfach nur durchgeknallte Laberbacken, die den Film nicht mal richtig gesehen haben und die Kritik am Plot ist unangemessen.

Ok, war nur ein Witz.

Der Plot des Films lässt sich nicht einfach 1:1 auf die heutige Zeit übertragen, soviel muß man festhalten, aber trotzdem haben die ganzen Pussies Grund sich Gedanken zu machen. Der Wurm im Film sind ganz einfach die Basics, die einem vermittelt werden.


Sterben ist Geil - Anleitung in 300 Schritten

Im Englischen gibt es einen hübschen Begriff, der nennt sich "anvilled". Von "anvilled" spricht man dann, wenn einem eine Message mithilfe eines Amboßes, der auf den Zuschauer fallengelassen wird, vermittelt wird. Der erste Amboß, der auf den Zuschauer wohl fällt, ist: "Sterben für Freiheit ist geil" Kann sein, hab ich noch nicht gemacht, weiß ich nicht. Warum ist die Message so scheiße? Ganz einfach: Wann muß ich denn für die Freiheit kämpfen oder sterben? Meint Ihr, dass heutzutage sich jemand noch die Mühe macht, mit den Köpfen besiegter Könige an Eurer Türe zu klopfen und Euch das kurz und knapp zu erklären? Meint Ihr, dass es heute noch so knorke Anführer wie Leonidas gibt, der einem sagt was Sache ist? Die Welt ist heute tausend mal komplizierter, gestern sind westliche Streitkräfte in ein Land eingefallen, da es angeblich Massenvernichtungswaffen in diesem Land gab, die unsere Zivilisation bedrohen. Heute verkündet der Anführer der westlichen Streitkräfte, dass es eigentlich keine Massenvernichtungswaffen gab, aber naja, wenn wir schon drin sind kanns so schlecht nicht gewesen sein ...

Viele Leute haben einfach keinen Bock in einem Film die ganze Zeit Opfermut gepredigt zu bekommen, wenn man genau weiß, dass Opferbereitschaft heute auch "verheizt werden" bedeuten kann. Hätte der Film nur einmal die Sache erwähnt, hätte man in Ruhe sein Popcorn weiteressen können, aber da "Sterben ist Geil" ungefähr 100000000 Mal dem Zuschauer in Dolby Surround Stero High Fidelity um die Ohren geknallt wird, kann das schon mal etwas nerven.


Wir sind echte Kerle, wir laufen nur zufällig rum wie auf dem Christopher Street Day

Ich gehöre ja echt zu den Leuten, die nur bei manchen Mitmenschen interessiert sind, was die so im Bett machen (meistens, wenn ich hinter besagten Mitmenschen her bin), aber hey, wenn der Film sich daran interessiert, muß ich mir das auch mal genauer anschauen. Irgendwie scheinen die Leute heutzutage nicht verkraftet zu haben, dass ziemlich viele Leute in der Antike (quasi der Wiege unserer Kultur) kein Problem damit hatten, mal Spargel und mal Austern zu essen (ja, ich rede über Bisexualität). Falls Ihr es nicht wußtet: die Mitbegründer der europäischen Zivilisation waren BI. Schlimm? Zumindest für die Macher des Filmes. Da wird mal ein bisschen abschätzig über die "boy loving" pussies in Athen abgelästert - und mal eben unter den Teppich gekehrt, dass diese Pussies den Persern auf See ordentlich den Arsch versohlt haben (haha, ich habe "Arsch" gesagt ...). Ok, war nur ein kleiner Witz im Film, nichts schlimmes, oder? Falsch. Wenn Fleisch gewordenen Machos über irgendwelche schwulen Pussies lästern, ist das nach heutigen Maßstäben scheiße. Jaja, ich weiß, was manche sagen wollen: "Aber damals ..." Fresse! Die Spartaner hatten damals gesetzlich festgelegt, dass jeder Knabe, der den Grundwehrdienst ablegt, einen "Lehrmeister" zugeteilt bekommt, und die haben nicht nur mit Speeren gespielt, schaut Euch mal die Vasenmalereien an (vor allem, wenn Ihr mal was über Handjobs erfahren wollt, aber das ist eine andere Sache). Ok, was haben wir also am Schluß? Da hat jemand also die historische Vorlage abgeändert (nicht schlimm, hauptsache der Film ist cool) nur um einen Schwulenwitz machen zu können. Finde nur ich das komisch?


May the power of the 1000 mullahs descend upon you

Sind die Perser im Film die Iraner von heute? Trägt der Obermullah im Iran in der Freizeit auch Piercings? Keine Ahnung, aber kommen wird zurück zum eigentlichen. Die Perser von Damals haben soviel mit den Iranern von Heute gemeinsam wie der antike Römer mit Lustsklave mit dem kleinen Macho von heute. Hier offenbart sich (holt schon mal Eure Steine, um mich zu steinigen) das Problem der orientalischen (orientalisch nur im Sinne der Geographie) Welt im Vergleich zu (Teilen der) westlichen: Wenn in einem Film über das westliche Mittelalter abgelästert wird, in der die "barbarische" westliche Zivilisation die armen Intellektuellen verbrannt haben, wird das hier ein fetter Blockbuster, denn für viele von uns ist das erstens nur ein Film und zweitens haben wir mit dem Mittelalter nichts mehr zu tun - war ne andere Zeit, war lange her etc. Wenn jemand über das "barbarische" (muß ja nicht stimmen) Perserreich einen Film macht, hat man für viele Leute aus dem Orient den Bruder beleidigt und damit ist Schluß mit lustig. Erinnert sich jemand noch an die Papstrede, in der der Papst einen Standpunkt zitiert hat, um Ihn zu entkräften? Erinnert sich jemand noch an die Reaktionen?

Aber gut, im Sinne der Gleichberechtigung hier die andere Seite: Wenn heute eh schon jeder über die Iraner lästert, kommt ein Film nicht gerade gut an, der die Leute aus dem Orient als perverse, tuntige, sklaventreibende Freaks darstellt. Wenn dann noch ein anderer kultureller Ansatz in der Herangehensweise an Filme hinzukommt...


Sparta Heil

Wo wir gerade über den perversen, tuntigen, sklaventreibenden, freakigen Feind sprechen: Wie sieht denn die "coole" Seite aus. Es gibt nämlich in diesem Film keine richtig "gute" Seite (oder findet jemand Kinder entsorgen gut?) aber es gibt eine "coole Seite", nämlich die Spartaner, schließlich sind das schon coole Jungs, die für die richtige Sache kämpfen (s.o. Sterben ist geil).

Wie sieht also die "coole" Seite aus? Die coolen Jungs sind durchtrainiert (wow!), tolle Liebhaber (ladiiiees!), beschützen Heim, Herd, Weib, Kind mit Ihrem Leben (Go Sparta!), finden, dass Schwule Pussies sind (hmm) können mit Krüppeln nichts anfangen und töten mißgebildete Kinder (nicht so toll...). Ok, wer würde jetzt beim Stammtisch sagen: "Du, ich kenn da so einen richtig coolen Fußballspieler, der spielt wie ein junger Gott, hat ne tolle Frau und gibt alles für seinen Verein. Naja, er hat sein Kind im Kreissaal den Hals umgedreht, weil es wohl eine Mißbildung am Fuß hatte ... aber sonst ist der Typ richtig cool!" Genau dass ist der Grund, weswegen ein paar Leute ein paar klitzekleine Probleme mit den Spartaner haben. Einerseits sind sie die "coolen Säue" mit den "tighten Sprüchen" (sagt man heute noch "tight"?) aber dann machen die coolen Säue so einen scheiß - da kann man schon mal Kopfschmerzen von kriegen.


This has hurt alot. And I am not sure if you enjoyed it

Da mir schon von tollen supi-Journalisten immer wieder gesagt wird, dass man im Internet nicht mehr als eine DinA4 Seite schreiben soll, da das eh keiner mehr liest, lass ich es mal dabei, aber vielleicht bleibt ja bei Euch was hängen. Und denkt immer dran:

Nachdenken ist nicht peinlich!